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Aktuelle Entwicklung im Erbrecht (Stand 2025/2026)

Das Erbrecht befindet sich derzeit in einem spürbaren Wandel. Neue gerichtliche Entscheidungen, laufende verfassungsrechtliche Verfahren und politische Reformüberlegungen – insbesondere zur Erbschaftsteuer – machen eine vorausschauende Nachlassplanung wichtiger denn je.

Nachfolgend geben wir Ihnen einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Erbrecht (Stand 2025/2026), die für Erblasser, Erben und Unternehmer von besonderer Bedeutung sind.

  1. Erbschaftsteuer: Reformdiskussionen gewinnen an Dynamik

Die politische Debatte um eine Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Im Fokus stehen insbesondere:

die steuerliche Privilegierung von Betriebsvermögen, die Frage der Verfassungsmäßigkeit bestehender Verschonungsregelungen sowie mögliche Anpassungen von Freibeträgen und Bewertungsmaßstäben.

Ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht zur Verschonung von Betriebsvermögen ist anhängig. Eine gesetzliche Neuregelung ab 2026 gilt als realistisch. Für größere Vermögen und Unternehmensnachfolgen besteht daher erhöhter Gestaltungsbedarf.

  1. Pflichtteilsrecht und Berliner Testament: aktuelle Rechtsprechung

Die Gerichte präzisieren weiterhin die Grenzen und Wirkungen von Pflichtteilsregelungen:

Pflichtteilsstrafklauseln in Berliner Testamenten greifen nicht automatisch bei jeder Zuwendung zu Lebzeiten.
Unterstützungsleistungen oder finanzielle Zuwendungen lösen nicht ohne Weiteres Pflichtteilsfolgen aus, sofern keine ausdrückliche Pflichtteilsforderung vorliegt.

Für Ehegatten und Patchwork-Familien bleibt eine präzise testamentarische Gestaltung entscheidend, um spätere Konflikte zu vermeiden.

  1. Erbschaftsteuer: Fristen beginnen später als vielfach angenommen

Der Bundesfinanzhof hat klargestellt, dass die Festsetzungsfrist für die Erbschaftsteuer nicht bereits mit dem bloßen Auffinden eines Testaments beginnt. Maßgeblich ist vielmehr, wann der Erbe verlässlich Kenntnis von seinem Erwerb erlangt – regelmäßig erst im Rahmen des Erbscheinverfahrens.

Diese Entscheidung kann erhebliche praktische Auswirkungen auf die steuerliche Beurteilung von Nachlässen haben.

  1. Internationales Erbrecht: Pflichtteilsrechte bleiben geschützt

Bei grenzüberschreitenden Erbfällen zeigt sich erneut:
Auch wenn ausländisches Erbrecht zur Anwendung kommen soll, dürfen zwingende deutsche Pflichtteilsrechte nicht vollständig ausgeschlossen werden. Andernfalls kann dies gegen den deutschen ordre public verstoßen.

Internationale Nachlassgestaltungen erfordern daher eine besonders sorgfältige rechtliche Prüfung.

  1. Digitaler Nachlass: zunehmende Bedeutung

Digitale Vermögenswerte, Online-Konten und Cloud-Daten sind heute fester Bestandteil vieler Nachlässe. Ohne klare Regelungen im Testament entstehen für Erben häufig erhebliche praktische und rechtliche Probleme.

Eine ausdrückliche Regelung des digitalen Nachlasses gehört inzwischen zu einer modernen und vollständigen Nachlassplanung.

Fazit

Die aktuellen Entwicklungen zeigen:
Eine frühzeitige, rechtlich fundierte und steuerlich durchdachte Nachlassgestaltung ist unerlässlich – insbesondere bei größeren Vermögen, Unternehmensbeteiligungen oder internationalen Bezügen.

Gerne beraten wir Sie individuell zu:

Testament und Erbvertrag
Pflichtteil- und Pflichtteilsverzichtsregelungen steueroptimierter Vermögens- und Unternehmensnachfolge digitalem Nachlass

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